Am 10.April 1807 wurde die Stadt Neheim, die damals von der Ruhr im Ohl nur bis zur Friedrichstraße reichte, bis auf 19 Häuser im südöstlichen Teil der Stadt (Bereich Burgstraße) völlig eingeäschert. Auch die damalige kleine Kirche, die mitten in der Stadt, etwa im Bereich Ecke Mendener Straße / zur Möhne gelegen haben muß, wurde stark in Mitleidenschaft gezogen. Die starken Bemühungen des damaligen Pastors auf Wiederherrichtung der alten Kirche stießen bei der politischen Gemeinde und der von dieser eingeschalteten inzwischen hessischen Regierungsverwaltung in Arnsberg auf erheblichen Widerstand, weil noch im Brandjahr vom hessischen Bauinspektor Wulff ein Wiederaufbauplan entwickelt wurde, der mehr als eine Verdopplung der bebauten Fläche der Stadt nach Südosten etwa bis zur jetzigen Oberstraße und Langen Wende, entsprechend der damals üblichen städtebaulichen Auffassung ein gradliniges Straßensystem und in der Mitte des vergrößerten Stadtgebietes neue Standorte für Kirche und Rathaus vorsah.

Innerhalb der uns kurz erscheinenden Zeit von nur einem Jahr wurde die gesamte Neuordnung der Grundbesitzverhältnisse und der darauf fußende Wiederaufbau zwar nicht komplett abgeschlossen, jedoch soweit bewerkstelligt, daß die Neheimer zumindest wieder ein Dach über dem Kopf hatten.

Auch noch 1808 fertigte der Geometer R. Eigenbroth einen ersten Entwurf für den Bau einer Kirche am neuen Standort. Erst 1815, nach einem Rechtsstreit zwischen der Stadt und dem hessischen Kammerfiskus über die Baupflicht, fand eine erste Grundsteinlegung für den Kirchneubau statt. Weiterhin kam dann 1816 die Übernahme der Landeshoheit durch die Preußen dazwischen, die den Abbruch der Arbeiten mit der Begründung anordneten, daß der Bau für die inzwischen angewachsene Gemeinde zu klein würde. Der Streit über die Baupflicht ging jedoch auch mit den Preußen weiter. In der Zwischenzeit behalf man sich mit Gottesdiensten in der Außeler-Kapelle und der Kapelle vor dem Obertor, sowie für die restliche Zeit mit einer Notkirche mit einfachem Strohdach. Unabhängig davon wurden ab 1813 mehrere Kirchenentwürfe von verschiedenen Verfassern gefertigt. Die Entwürfe mussten dann nach 1816 von der preußischen Oberbaudeputation und damit von Karl Friedrich Schinkel genehmigt werden. Sie fanden jedoch dessen Zustimmung nicht; er machte Gegenentwürfe, über die es zu ständigem Hin und Her und zu weiteren Überarbeitungen durch Schinkel kam. Ungeachtet der noch laufenden Verhandlungen wurde am 21.September 1819 der Grundstein für den Kirchenbau an heutiger Stelle gelegt. Durch die weiteren Verhandlungen traten Verzögerungen ein, so daß die Kirche erst am 29. Oktober 1822 geweiht werden konnte. Ihr lag der von Schinkel völlig überarbeitete Hallenkirchenentwurf von 1817 zugrunde. Sie war eine in neoromanischen Formen gehaltene Pfeilerbasilika mit Flachdecke und hatte eine Grundfläche von 432 m². Sie fasste ca. 500 Menschen. Ihre streng gegliederte und von Schinkel im Zuge der Bearbeitung neu entworfene Westseite wurde von einem großen Dachreiterturm überragt. Die behördliche Abnahme konnte erst sieben Jahre nach Fertigstellung im Jahre 1829 erfolgen.

Der bekannte Schinkelforscher Ludwig Schreiner wertet Schinkels Einflussnahme auf den Bau dieser Kirche so, daß man in ihr das einzige, nach Schinkels Entwürfen ausgeführte kirchliche Gebäude in Westfalen sehen kann.



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